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Der Bogen (Yumi)
Herkunft
Der asymmetrische Bogen diente im alten China als Waffe für berittene Bogenschützen und kam  ca. ab dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung mit der Yayoi Kultur nach Japan.
Diese mongolischen Volksgruppen vermischten sich in Japan mit den Menschen der Jomon Kultur, die schon vor ca. 10 000 Jahren vor unserer Zeitrechnung von China nach Japan eingewandert waren.
Der Bogen diente in Japan aber nicht nur als Waffe, er fand  auch als Ritualgegenstand Anwendung. Der magische Azusa-Yumi, aus Kirsche oder Azusa hergestellt und mit Blattgold und Kordeln verziert, wird für eine uralte chinesische Tradition verwendet, um die Seelen der Toten zu besänftigen.
Auch der Hama-Yumi, der „alles Böse vernichtende Bogen“, findet in zahlreichen buddhistischen Tempeln und Shinto-Schreinen Verwendung. In der Ehrennische oder auf dem Haus-Schrein aufgestellt, beschützt er private Haushalte vor üblen Einflüssen.
Im Konfuzianismus im 4. Jahrhundert schliesslich entwickelte sich das Bogenschiessen zur Lehre für die Bildung einer vollkommenen Persönlichkeit. Obwohl der Kontakt zwischen Japan und China in den darauffolgenden Jahrhunderten aus politischen Gründen oft unterbrochen war, hielt der Einfluss des chinesischen Denkens weiterhin an.
Im 12. Jahrhundert kam der Zen-Buddhismus aus China nach Japan. Die Samurai (Mitglieder des Kriegerstandes) fanden im Zen Buddhismus einen Weg, ihre Pflichten effektiver zu erfüllen und unberührt von Hoffnung und Furcht in den Kampf zu ziehen.

Die Schulen
Meister Heki Danjo Masatsugo, ein angesehener Bogenschütze um ca. 1500, führte eine neue Schusstechnik ein, die sich rasch unter den Bogenkriegern verbreitete. In der darauf folgenden Zeit bildeten sich mehrere Schulen, von denen einige bis heute bestehen.

Die Heki ryu Bishu Chikurin-ha findet ihre Wurzeln um 1580 als Chikurinbo Josei die Gefolgsleute des Fürsten Matsudarira Tadaiyoshi im Bogenschiessen unterrichtete.
Ab dem 16. Jahrhundert begannen auch die Samurai, sich mit den europäischen Schusswaffen anzufreunden und der Bogen als Kriegswaffe verlor an Bedeutung. Es folgten zwei vergleichs- weise friedliche Jahrhunderte, in denen der Bogen vermehrt für geistiges Training und für die Charakterbildung eingesetzt wurde.
Der japanischen Tradition folgend wurde der Stand des Bogenmachers von Generation zu Generation weitergegeben. Shibata Kanjuro XVIII wurde schliesslich zum offiziellen Bogenbauer des Kaisers ernannt und seit 1993 hat Shibata Kanjuro XXI dieses Amt inne. Er lebt und arbeitet in Kyoto.
Im Unterschied zu anderen Schulen, die weitgehend alle der Japanischen Kyudo Föderation (Zen Nihon Kyudo Renmei) angehören, kennt die Heki ryu Bishu chikurin ha kein Rangsystem.

Der Bogen
Der Yumi  wird aus Bambus und Holz hergestellt und verändert durch das Schiessen seine Eigenschaften. Dadurch wird er zum Lehrer des Kyudoka. Keine zwei Yumis sind gleich, jeder besitzt einen eigenen Charakter, der auch Herausforderung sein kann.
Es gibt genaue Regeln für den Umgang mit dem Yumi und er bedarft einer sorgfältigen Pflege, ähnlich wie ein Musikinstrument.

Quellen:
Katja und Christopher Triplett / Hans Geissberger: Kyudo – Zen im Stehen, Bern 2008
Prof. Dr. E. Herrigel / Die ritterliche Kunst des Bogenschiessens: Nippon, Zeitschrift für Japano-logie, Berlin 1936